Statement zum Femizid in Gosen-Neu Zittau: Der Tatort darf nicht den Blick auf den Kontext der Gewalt verstellen.
Mit Entsetzen und großer Trauer blicken wir auf die tödliche Gewalttat an einer brandenburgischen Schule in Gosen-Neu Zittau. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen und Freund*innen der Getöteten, bei der Schulgemeinschaft und allen Menschen, die diese Gewalt unmittelbar miterleben mussten.
Die öffentliche Aufmerksamkeit richtet sich derzeit stark auf den Tatort: eine Schule. Die Tat wird als „Schulmassaker“ diskutiert, Bilder eines Amoklaufs bestimmen die Berichterstattung. Doch der Tatort darf nicht den Blick auf den Kontext der Gewalt verstellen.
Nach dem bisherigen Ermittlungsstand war die getötete 18-jährige Frau die Ex-Partnerin des 19-jährigen Tatverdächtigen. Damit müssen wir auch über das sprechen, was dieser Tat vorausgeht und in welchem gesellschaftlichen Zusammenhang sie steht: über Gewalt gegen Frauen durch Partner und Ex-Partner. Über patriarchale Gewalt. Über Femizide.
Eine Schule als Tatort erschüttert uns. Aber der Ort, an dem eine Frau getötet wird, darf nicht darüber hinwegtäuschen, warum Frauen besonders gefährdet sind und von wem diese Gefahr häufig ausgeht.
Erst vor wenigen Wochen wurde in Bergfelde eine weitere junge Frau ermordet. Die 19-Jährige soll von ihrem ebenfalls 19-jährigen Partner getötet worden sein. Zwei junge Frauen in Brandenburg innerhalb weniger Wochen. In beiden Fällen richtet sich der Verdacht gegen einen Partner oder Ex-Partner.
Das sind keine voneinander losgelösten Einzelfälle. Deshalb müssen wir den Blick vom Tatort auf den Gewaltkontext erweitern.
Die Reaktion auf diese Tat darf nicht allein die Frage sein, wie Schulen sicherer werden. Sie muss lauten: Wie schützen wir Frauen vor Gewalt durch Partner und Ex-Partner?
Frauen müssen in Beziehungen sicher sein. Und sie müssen sicher sein, wenn sie eine Beziehung beenden.
Als NbF e.V. und KIKO Brandenburg fordern wir: Gewalt ernst nehmen. Gewalt benennen. Warnsignale erkennen. Fachkräfte sensibilisieren. Hilfesysteme stärken und verlässlich finanzieren. Schutz konsequent umsetzen.
Denn jede Frau hat das Recht, eine Beziehung einzugehen, in ihr zu leben und sie zu verlassen, ohne um ihre Sicherheit oder ihr Leben fürchten zu müssen.
Kontakt und Nachfragen an:
| Laura Kapp Koordinatorin für Organisation und Finanzen Koordinierungsstelle Telefon: 0331 – 813 298 47 |
Alina Robben Referentin für Öffentlichkeitsarbeit KIKO Brandenburg Telefon: +49 151 4201 3825 |



