Neue NbF-Broschüre “Kunsttherapie in Frauenhäusern. Erfahrungsbericht eines Brandenburger Pilotprojekts”

Das NeVon oben fotografierter geöffneter Pappkarton. Darin die neue Broschüre des NbF: "Kunsttherapie in Frauenhäusern. Erfahrungsbericht eines Brandenburger Pilotprojekts." Anna Henke, Anette Kuhn, Isabella Bockelmann, Prapatti S. Starke. Auf den Cover ist ein gemaltes Bild eines in vielen Grün- und Brauntönen gestreiften Chamäleons auf einem Ast vor einem knallgrünen Hintergrund.tzwerk der brandenburgischen Frauenhäuser veröffentlicht zum Jahresbeginn die Broschüre „Kunsttherapie in Frauenhäusern. Erfahrungsbericht eines Brandenburger Pilotprojekts“. Damit bietet es erstmals einen spannenden Einblick in die Praxis und macht anschaulich klar: Kunsttherapie eignet sich unter den spezifischen Bedingungen der Frauenschutzeinrichtungen besonders gut für die psychosoziale Unterstützung gewaltbetroffener Frauen und sollte flächendeckend angeboten werden.

Auf 40 Seiten versammelt die Broschüre vier Artikel der beteiligten Kunsttherapeutinnen, zwei einleitende Texte der Mitarbeiterinnen der Koordinierungsstelle des NbF e.V., ein Grußwort der Ministerin Ursula Nonnemacher, ein Interview mit einer Frauenhausmitarbeiterin sowie gut 60 Fotos der in dem Projekt entstandenen Werke. Die Publikation bündelt so persönliche künstlerische Zeugnisse von gewaltbetroffenen Frauen und Kindern, subjektive Erfahrungen der Kunsttherapeutinnen in ihrer Arbeit, generelle politische Überlegungen sowie notwendige Hintergrundinformationen, die die Wirkungsweise, Vorteile und Herausforderungen beim Einsatz der Kunsttherapie im Frauenhauskontext zu verstehen helfen. Die Kunsttherapeutin Anna Henke schreibt: „Die Kunsttherapie hat das Selbstwirksamkeitserleben der Frauen gefördert und so dazu beigetragen, dass die Frauen sich entfalten und entwickeln konnten.“

Die Publikation bietet den Werken der Künstler:innen eine Plattform, allen Interessierten einen Einblick in die Praxis und gibt sowohl Kunsttherapeutinnen und Mitarbeiterinnen in Frauenhäusern als auch den politischen Entscheidungsträger:innen und (potenziellen) Fördermittelgebenden Beispiele und Argumente an die Hand, wie und warum das Angebot ausgeweitet und verstetigt werden sollte.

Insgesamt konnte das NbF 2020/2021 lediglich 60 kunsttherapeutische Sitzungen in zehn Frauenhäusern anbieten, die von vier zertifizierten und im Deutschen Fachverband für Kunst- und Gestaltungstherapie e.V. (DFKGT) organisierten Kunsttherapeutinnen durchgeführt wurden. Michaela Rönnefahrt, Sozialpädagogin des beteiligten Frauenhaus Neuruppin und Vorstandsfrau des NbF e.V., resümiert: „Das war ein tolles Projekt, von dem wir uns eine Verstetigung wünschen. Die Frauen waren nach den Kunsttherapie-Sitzungen auch offener in unseren Beratungsgesprächen. Das alltägliche Unterstützungsangebot braucht nicht nur mehr Mittel, sondern auch mehr Formen und Formate.“

Die Broschüre ist in einer Druckauflage von 150 Stück erschienen und steht hier kostenfrei zum Download bereit. Druckexemplare können in der Koordinierungsstelle bestellt werden.

NbF Broschüre Kunsttherapie in FH 2022 WebversionCover Broschüre "Kunsttherapie in Frauenhäusern. Erfahrungsbericht eines Brandenburger Pilotprojekts. Bild von einem gemalten Chamäleon in vienen Grün- und Brauntönen auf einem Ast vor einem knallgrünen Hintergrund.

 

 

 

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Zitate aus den Artikeln:

„[Die] Istanbul-Konvention fordert, dass Opfer Zugang zu Diensten erhalten, die ihre Genesung nach erfahrener Gewalt unterstützen. […] Das Pilotprojekt ‚Kunsttherapie in Frauenhäusern‘ trägt in diesem Sinne auch einen Beitrag zur Umsetzung der Istanbul-Konvention im Land Brandenburg bei.“ (Ministerin Ursula Nonnemacher: Grußwort, S. 1)

„Die Künstler:innen – Frauenhausbewohnerinnen und ihre Kinder – erklärten sich mit einer Veröffentlichung [ihrer Werke] einverstanden, auch um ‚Informationen über die Arbeitsweise der Kunsttherapie an Betroffenen und Interessierte‘ vermitteln zu können. Wir möchten uns diesem Ziel anschließen und mit den Erfahrungsberichten für den Einsatz der Kunsttherapie in Frauenhäuser werben.“ (Maren Küster und Laura Kapp: Einleitung, S. 3)

„Eine dauerhafte Unterstützung durch kunsttherapeutische Settings könnte den Mitarbeiterinnen und den Frauen selbst dabei helfen, die Vorbereitungen auf eine neue Zukunft nachhaltiger zu gestalten.“ (Anna Henke: Mit der Kraft von Farben und Linien erzählen, S. 16)

„Wir planen, demnächst wieder mehr zu malen. In der Zwischenzeit hat es im Haus einen kompletten Bewohnerinnenwechsel gegeben. Wir sind gespannt, wie unsere neuen Frauen darauf reagieren und vor allem, was für tolle Werke entstehen.“ (Frau C., Leiterin eines beteiligten Frauenhauses, im Interview: „Gerne mehr davon!“, S. 17)

„Am Ende konnten die Frauen und ihre Kinder, die ihr Hab und Gut zu Hause zurücklassen mussten, eine sichtbare und habhafte Erfahrung in Form eines eigenen Werkes mitnehmen, die ihnen unter Umständen den Übergang in einen neuen Lebensraum vereinfacht.“ (Anette Kuhn: Geschützter Ort und sicherer Raum, S. 23)

„Es wäre dringend erforderlich, dass [Kunsttherapie im Frauenhaus] nicht nur per Gießkanne gelegentlich nach Haushaltslage möglich wäre, sondern eine regelmäßige abrufbare Hilfeleistung sein kann.“ (Susanne Isabella Bockelmann: Einblicke in die kunsttherapeutische Arbeit in zwei Frauenhäusern, S. 31)

„Auch wenn sich in diesem Beispiel ein Wunsch direkt in der Darstellung eines entsprechenden Symbols ausdrücken mag, so kann der Prozess ebenso seine Wirkung entfalten, ohne dass ein Produkt übrig bleibt: Ein 5-jähriger Junge […] drückt über eine Stunde lang unermüdlich mit ganzem Körpereinsatz Softknete durch eine Presse.“ (Prapatti S. Starke: Neue Beziehungen und Perspektiven im Übergang, S. 35)